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ISSN 1862-7617
Publikationen - Aufsätze - 17-2009
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Rabbiner Prof. Dr. Dr. h.c. Walter Homolka

Das Jüdische Recht: Eigenart und Entwicklung in der Geschichte


Kurzfassung der Herausgeber

Portrait des AutorsRabbiner Professor Dr. Walter Homolka führt mit seinem Beitrag umfassend in das Jüdische Recht ein, das nicht das Recht eines Staates, sondern eines Volkes, des Volkes Israel, ist. In seiner mehr als 3000-jährigen Geschichte hatte das Volk Israel selten einen eigenen Staat mit politischer Souveränität, jedoch besaßen die Gemeinden relativ weitgehende Autonomie in Rechtsangelegenheiten. Diese und die dadurch erforderliche praktische Anwendung des Rechts gewährleisteten, dass es sich stets fortentwickelte. Daher konnte das Jüdische Recht auch in der Zeit der Diaspora seine Eigenständigkeit bewahren.

Ein anderer Grund dafür, dass das Jüdische Recht seine Eigenständigkeit und Eigenart bis heute bewahrt hat, ist jedoch noch weitaus wesentlicher und fundamentaler: Es beruht nicht auf der Autorität eines irdischen Gesetzgebers, sondern einem biblischen Fundament und gründet in letzter Instanz im Bund des Volkes Israel mit Gott. Seine ursprüngliche Quelle und sein eigentlicher Kern ist daher die göttliche Offenbarung, wie sie in der Tora und in den anderen Büchern der Hebräischen Bibel ihren Niederschlag gefunden hat. Die in den fünf Büchern Moses enthaltenen 613 mitzwot bilden dabei als Rechtsvorschriften die Basis aller späteren jüdischen Rechtskodifikationen und des jüdischen Rechtssystems überhaupt. Von besonderer Bedeutung für die Entwicklung des Jüdischen Rechts ist die Halacha, „der zu gehende Weg“, die das tradierte Recht seit der Zeit nach dem Zweiten Tempel in einer neuen Weise ordnete, systematisierte und zu einer Bezeichnung für die Gesamtheit des Jüdischen Rechts geworden ist.

In dem ersten Abschnitt seines Beitrages führt Rabbiner Professor Homolka in den Ursprung und die Fundamente des Jüdischen Rechts ein. Dabei behandelt er die klassischen Quellen des Jüdischen Rechts, das Verhältnis des biblischen und rabbinischen Rechts zueinander, die nachtalmudischen Entwicklungen und die Rechtsentwicklung durch Responsum, Takkana oder Minhag. Daran anschließend beschreibt der Verfasser das Jüdische Recht als Einheit in der Vielfalt jüdischer Strömungen. Hierbei geht er insbesondere auf das Orthodoxe Judentum, das Liberale Judentum, das Konservative Judentum und die Halacha als dialektischer Prozess ein. In einem dritten Abschnitt untersucht der Autor das Verhältnis des Gesetzes des Landes zum Jüdischen Recht. Dabei wird die geschichtliche Entwicklung, das Jüdische Recht im Staat Israel und als Inbegriff jüdischer Ethik und Gerechtigkeitssuche besprochen.

Abschließend hält Rabbiner Professor Homolka in einem Fazit fest, dass es sehr wohl ein Jüdisches Recht gibt, d.h. die Halacha, welche für alle Juden gleichermaßen Geltung hat. Aber es gibt nicht einen Weg, sie zu deuten. Das Judentum lebt gerade von der Vielfalt der Auffassungen, die in ihm vertreten werden. Im Unterschied zum "positiven" (d. h. positivistischen) Recht ist das Jüdische Recht kein festes Regelwerk, in dem die Frage der Gerechtigkeit einen Problembereich darstellen würde, der streng genommen jenseits der Sphäre des "positiven" Rechts läge. Vielmehr steht im Jüdischen Recht die Frage der Gerechtigkeit im Ursprung allen Fragens nach dem Recht. Sie geht grundsätzlich mit dem Recht einher: Zedek u-mischpat, "Recht und Gerechtigkeit" (Spr 2:9), sind im Judentum seit jeher als Einheit gesehen und gemeinsam gefordert worden. Der verbindende Charakter der jüdischen Rechtstradition von Abraham über die Propheten bis zu den Rabbinen und heutigen Gelehrten des Jüdischen Rechts ist gerade die unaufhörliche Suche nach Gerechtigkeit.


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Jüdisches Recht

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Zitierempfehlung
Walter Homolka, HFR 2009, S. 251 ff.

Verlinkungsempfehlung
http://www.humboldt-forum-recht.de/deutsch/17-2009/index.html

Bearbeitet von Tobias M. Dreyer