Der Ausdruck "Es ist ein Kreuz mit ..." einer Person oder Situation weist auf komplizierte, vertrackte Entscheidungslagen hin. Die Komplikation rührt daher, daß es um moralisch diffizile, identitätsdefinierende oder konsequenzenreiche Entscheidungen geht, bei denen der Akteur unterschiedliche Wertungsimpulse verspürt, die nicht alle in die gleiche Richtung weisen, sondern in Spannung zueinander stehen. Eine nähere Analyse solcher Situationen ergibt, daß die Impulse, visuell gesprochen, von hinten (der Biographie), von unten (den Grundbedürfnissen), von oben (den Idealen) wie von vorne (Zukunftsplänen) kommen, also ein Entscheidungskreuz bilden, an dessen Kreuzungspunkt der Individual- oder Kollektivakteur steht. Der Artikel entfaltet diese Konstruktion, die der Verfasser ausführlicher in seinem Buch "Das anthropologische Kreuz der Entscheidung in Politik und Recht" (2005) analysiert hat, und illustriert seine Fruchtbarkeit anhand mehrerer Beispiele von "Vergangenheitsbewältigung".
Category
Legal Philosophy | Legal Theory
Quotation reference:
Winfried Brugger, HFR 2006, S. 100 et seqq.
Linking reference:
http://www.humboldt-forum-recht.de/english/9-2006/index.html
Edited by Peter Schmidt